Cerasuolo kommt von cerasa, Kirsche, und beschreibt die Farbe, noch bevor es den Geschmack beschreibt. Die Traube ist dieselbe wie beim Roten, der Montepulciano, doch die Schalen bleiben Stunden statt Tage im Most: lange genug für eine kräftige Farbe, die hier nie jemand aufzuhellen versucht hat, um der Provence zu ähneln.
Bis 2010 war er eine Typologie innerhalb der DOC Montepulciano d'Abruzzo. Die Verselbständigung hat seinen Status verändert: von der Variante des Roten zum Wein mit eigenen Vorschriften, eigenen Spezialisten und eigenen Superiore-Abfüllungen. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Verwaltungsakt tatsächlich verändert hat, wie über einen Wein gedacht wird.
Im Glas steht er einem leichten Roten näher als einem Aperitif-Rosé: Kirsche und Granatapfel, eine salzige Note, eine Spur Tannin, die ihm Halt am Essen gibt. Er ist der Wein zu Arrosticini, den örtlichen Hammelspießen, und hält Gegrilltem und Gewürztem stand, wo die meisten Rosés schlicht verschwinden.
Nicht zu verwechseln mit dem Cerasuolo di Vittoria: Der ist sizilianisch, rot und entsteht aus Nero d'Avola und Frappato. Gemeinsam ist beiden nur das Wort.